2019-02-16: Vereinsrückblick durch Dieter Kellnhofer (1919 bis 1945)

Einen informativen und kurzweiligen Vortrag durch Dieter Kellnhofer über die Vereinsgeschichte des TV Erkheim erlebten die Besucher im fast voll besetzten Sportheim. Im Rahmen der Feierlichkeiten „100 Jahre TV Erkheim“ blickte Kellnhofer auf die Zeit von 1919 bis 1945 zurück. Mit Ausschnitten aus den Protokollbüchern des Vereins, vielen alten Fotos von Vereinsmitgliedern sowie Artikeln aus dem Archiv der Memminger Zeitung brachte er den Gästen die damalige Zeit näher.

Der TVE wurde am 14. Juni 1919 von 37 Mitgliedern als Turn- und Kraftsportverein Erkheim gegründet. Als vorläufigen Vorsitzenden wählte die Versammlung Emil Stetter. Um weitere Mitglieder zu gewinnen, fand zwei Monate später eine Gründungsfeier statt. Ende August 1919 hatte der Verein bereits mehr als 60 Mitglieder und betrieb die Sportarten Turnen sowie Kraftsport (Athletik) mit Stemmen und Ringen. Da der Verein noch kein Gelände besaß, stellte der Kronewirt Brehm sein Areal zur Verfügung. Geturnt wurde im Kronegarten und Kraftsport im Keller des Bräuhauses betrieben. Die Sportgeräte waren in der Anfangszeit vom TV Memmingen ausgeliehen.

1923 trat Josef Maier als Vorsitzender die Nachfolge von Josef Hölzle an und übte dieses Amt bis 1960 aus. Als gelernter Maurer trieb er die Planung und den Bau einer Turnhalle voran, in der im Dezember 1924 bereits die ersten Übungsstunden abgehalten wurden. Im gleichen Jahr schaffte man auch die Vereinsfahne an. Als weitere Sportarten kamen Leichtathletik (1921), Faustball (1922), Kleinkaliberschießen (1928), kurzzeitig Boxen (1931) und Fußball (1933) hinzu. Die Schießanlage für das 50-Meterschießen mit dem Kleinkalibergewehr wurde auf der heutigen Festwiese hinter der Krone angelegt. Eine dort noch viele Jahre stehende Hütte war der ursprüngliche Schießstand. 1931 wurde erstmals ein Skikurs abgehalten.

Der TVE trat auch kulturell in Erscheinung. Er veranstaltete Theaterauftritte, Faschingsveranstaltungen, kleine Ausfüge und das Waldfest im Eichhölzle. Grundgedanke war, neben der Unterhaltung der Bevölkerung auch Geld zu erwirtschaften, um den Sportbetrieb zu gewährleisten. Der Verein durchlebte in den 20iger Jahren auch eine schwere Zeit. Etwa 50 Erkheimer wanderten nach Amerika aus, darunter viele Mitglieder, die sich stark im Verein engagiert hatten und eine große Lücke hinterließen. Nach der Weltwirtschaftskrise 1929 blieben viele Mitglieder den Beitrag schuldig oder traten aus dem Verein aus. Auch eine Beitragsstundung und Beitragsherabsetzung von sechs auf vier Mark im Jahr 1934 brachte keinen Erfolg. So heißt es in einem Protokolleintrag aus dem Jahr 1937: „Der Rückblick auf den Jahresabschluss ergab das Bild eines Sterbenden. … Die großen, von Liebe und Eifer getragenen Mühen der Vereinsleitung für die Erhaltung der Sache müssen als vergeblich erkannt werden.“ Ein weiterer Grund für den Niedergang waren die ausbleibenden Jugendlichen. Ab 1933 war es nämlich die Hitlerjugend, in der jetzt Sport betrieben, Ausflüge gemacht und Zeltlager abgehalten wurden.