Interview mit Andreas Köstner

Andreas Köstner, seit 2019 Trainer der Ersten Herrenfußballmannschaft, stellte sich zu Beginn der Saison einem Interview zur Verfügung.

Was hat Sie eigentlich bewogen, 2019 das Traineramt beim TV Erkheim zu übernehmen?
Ich hatte 2011 schon mal eine Anfrage vom TVE, da kamen wir allerdings nicht zusammen. Ich habe mich aber dann immer wieder mit dem Verein auseinandergesetzt und 2019 habe ich schließlich zugesagt, als der Verein auf mich zukam. Ich hatte die Motivation und auch den Glauben, mit dem TVE Landesliga zu spielen und jetzt hat es geklappt.

Die ersten zwei Jahre waren dann ja wegen Corona nicht so optimal.
Die ersten zwei Jahre waren natürlich etwas komisch wegen Corona, ein geregeltes Training oder auch der Spielbetrieb waren schwierig und trotzdem haben wir in der zweijährigen Saison den zweiten Platz erreicht. Für mich als Trainer war es auch außergewöhnlich, da ich ein Gefühl entwickeln musste, trainieren wir zu viel oder zu wenig. Auch das Team immer wieder zu motivieren, ohne zu wissen, wann wir wieder den Wettkampf haben, war ein Herausforderung.

Haben Sie in der Saison 2021/22 fest mit dem Aufstieg gerechnet?
Ich denke, man kann nie mit einem Aufstieg fest rechnen, da viele Faktoren berücksichtigt werden müssen. Mir war klar, dass wir wieder vorne mitspielen, leider war Kaufering letzte Saison sehr konstant und wir konnten da nicht ganz mithalten. Als wir aber unser „Endspiel“ in Bobingen überstanden hatten, war ich mir sicher, dass wir es dieses Jahr schaffen. Die Jungs waren so fokussiert und entschlossen, dass ich als Trainer gar nicht mehr so viel tun musste. Wir haben uns diesen Aufstieg mehr als verdient, da wir in der Relegation zwei Landesligisten mit einem Torverhältnis von 8:2 schlugen.

Beim ersten Relegationsspiel gegen Heilbrunn waren Sie ja wegen eines lange vorher gebuchten Urlaubs nicht vor Ort. Wie haben Sie die 90 Minuten erlebt? Hatten Sie Verbindung mit dem Handy zum Co-Trainer Christian Neß?
Ja, ich konnte ihn nicht verschieben und war natürlich gedanklich beim Spiel. Ich habe zuvor schon den Gegner Bad Heilbrunn in zwei Videos angeschaut und habe dann mit Christian Neß die Aufstellung und die Taktik besprochen. Der „Chris“ hat einen super Job in dem Spiel gemacht, ich hab die Partie am Laptop verfolgt, mir immer wieder Notizen gemacht, wie wir es noch verbessern könnten. Telefonisch war ich mit Abteilungsleiter Maximilian Seitz verbunden, einmal kurz vor dem Spiel und kurz vor der Halbzeit. „Chris“ hab ich in Ruhe gelassen, er sollte sich von mir nicht ablenken lassen.

Worin sehen Sie den Unterschied zwischen Bezirksliga und Landesliga?
Für mich ist der Unterschied enorm groß, besonders in Sachen Schnelligkeit und Robustheit sind das Welten gegenüber der Bezirksliga und leider durften wir die Erfahrung gleich am ersten Spieltag machen. In dieser Liga wird jeder Fehler eiskalt ausgenutzt und selbst musst du 90 Minuten voll konzentriert sein und immer hellwach. Spielerisch gibt es nicht so viele Unterschiede, trotzdem müssen wir natürlich unsere Spielweise anpassen In der Bezirksliga hatten wir meistens immer mehr Ballbesitz als der Gegner, jetzt ist es umgekehrt und es kann im Spiel öfters passieren, dass wir hinterherlaufen. Das muss die Mannschaft jetzt lernen, um in der Klasse zu bleiben.

Wie schätzen Sie die Mannschaft von ihrer Spielstärke für die Landesliga ein?
Ich denke wir können gegen die unteren der Liga mithalten und gegen die Spitzenmannschaften mal eine Überraschung schaffen, aber uns muss bewusst sein, dass wir von Anfang an um den Klassenerhalt spielen. Wir können die Saison erfolgreich gestalten, wenn wieder diese Faktoren berücksichtigt werden. Ich meine damit, Leistungsträger dürfen bei uns nicht lange ausfallen, zu lange Formtiefs dürfen uns nicht passieren und natürlich auch das Spielglück muss oft auf unserer Seite sein. Wir müssen auch vom Kopf her bereit sein, vielleicht mal drei Niederlagen am Stück zu akzeptieren, was uns die letzten vier Jahre in der Bezirksliga nie passiert ist.

Woran werden Sie mit Ihrer Mannschaft verstärkt arbeiten?
Leider hatten wir ja nur drei Wochen Vorbereitung und deshalb werde ich immer wieder während der Saison entsprechende Elemente im Training einbauen. Gegenüber den letzten Jahren werden wir sicherlich mehr noch bei Standards arbeiten, denn da müssen wir gefährlicher werden, und weiterhin bei der Arbeit gegen den Ball, wo wir natürlich noch viel mehr gefordert werden. Ansonsten aber werde ich auch nicht zu viel reinpacken, sondern den Jungs die Freiheit auf dem Platz lassen.

Sie waren ja auch schon als Trainer beim FC Memmingen tätig und haben noch Verbindungen. Was trauen Sie der neuen Bayernligamannschaft zu?
Der FCM ist natürlich mein Herzensverein, ich war fast 25 Jahre Spieler oder Trainer und hoffe natürlich auf den Wiederaufstieg. Allerdings denke ich, dass es diese Saison schwer wird, andere Mannschaften sind auch sehr gut aufgestellt und die Bayernliga hat an Qualität zugenommen. Mit Stephan Baierl haben sie aber genau den richtigen Trainer dafür. Er kann junge Spieler sehr gut entwickeln und hat immer einen Plan und der ist wichtig in der neuen Liga für den FCM. Ich drücke fest die Daumen.

Eines Ihrer Hobbys ist es ja, möglichst viele Stadien zu besuchen und dort ein Fußballspiel anzuschauen. In welchen beeindruckenden Stadien waren Sie schon und welche stehen unbedingt noch auf der Liste?
Ja, das ist so eine Art Hobby von mir und meinen Freunden. Für mich war natürlich das Wembley Stadion mit dem Finale 2013 sehr beeindruckend und natürlich hat mir das Stadion des FC Liverpool schon sehr gut gefallen. Abgefahren war das Stadion von den Boca Juniors. Auf jeden Fall möchte ich noch Ajax und Juve sehen.

Welchen Rat können Sie einem jungen Fußballspieler geben?
Aus meiner Erfahrung beim FCM in der Jugend und U21 sollten junge Spieler immer an sich glauben und dabei eine gesunde Selbsteinschätzung haben, Ratschläge von älteren Spielern holen und nicht gleich enttäuscht sein, wenn es nicht nach Plan läuft. Es werden sich durch fleißiges Training immer wieder Chancen ergeben. Das Wichtigste ist, dass der junge Spieler Spielzeit bekommt und da ist die Liga erstmal nicht entscheidend. Einen Trainer überzeugt man durch Willen manchmal mehr als mit Talent.

Vielen Dank!